Route 66 und zurück nach Las Vegas

Tag 34 (Samstag, 29. September) Der letzte Tag unserer Reise ist angebrochen. Heute machen wir aus unserer Joggingtour ein Sightseeing durch Seligman und eine Dokumentation des Niedergangs (so wirkt es auf uns, im Moment, aber warten wir’s ab…). Viele Gebäude wirken wie ausgestorben, scheintot, oder mindestens im vegetative state. Wir gehen zum Frühstück ins Roadrunner Cafe, und als wir friedlich draussen auf unseren Kaffee (er macht guten Starbuck’s Kaffee!) warten, ergiessen sich plötzlich ganze Schwärme von Harley-Fahrer-Gruppen und Touristenbussen in die Stadt und ins Cafe, sodass es mit der Ruhe nun vorbei ist.

Wir drängeln noch kurz durch die Andenken-Shops, erstehen noch das eine oder andere, und machen uns dann schleunigst davon, auf der Route 66 (ja, tatsächlich) in Richtung Kingman. Bei der Abfahrt können wir es uns nicht verkneiffen, die Trittbretter ordentlich schleifen zu lassen, was die Hobbyfahrer fast umwirft. Jedenfalls hinterlassen wir sicher einen bleibenden Eindruck. Wir sind auf das Schlimmste gefasst, was die Begegnung mit Route 66-Jüngern betrifft. Aber unsere Befürchtungen sind umsonst, wir sind allein auf der Strasse und ziehen einsam (wie der Cowboy im Film) unseren Weg.

Nach unseren 34 Tagen on the road ist für uns klar: Diese Tagesauflügler auf Harleys, die uns da begegnen, sind nicht das Echte, das Wahre, so eine Art non-dairy creamer des Motorradfahrerlebens (sieht aus wie, ist es aber nicht). Schon wie sie leicht verkrampft auf ihrem Hobel sitzen, wie wenn sie einen Besenstiel zwischen den Backen hätten.Wenn sie einparken müssen, kriegen sie schon das Muffensausen. Sie lassen sich ihr Währchen im Begleitfahrzeug mitfahren, während wir aus dem eigenen Sack leben. Auch punkto Fahrstil gibt es da Unterschiede: Während die einen versuchen, die Randzonen ihrer Reifen möglichst zu schonen, ist es anderen nicht wohl, solange die Trittbretter noch dran sind, und auch intakte Briden an den Mufflern ist ihnen ein Gräuel. Aber eben, jedem das seine Vergnügen.

So sind wir dann eben recht rasch in Kingman, wie die Route 66 Manie ein schnelles Ende hat, und ohne Übergang abrupt aufhört. Wir finden vorher noch ein schönes Skunk-Motiv, ein trotz überfahrenen Zustandes relativ gut erhaltenes Exemplar, das seinen Schwanz noch munter im Wind wedelt und auch noch ordentlich müffelt, zur fotographischen Dokumentation. Wir trinken etwas, und gönnen auch unseren Tanks einen letzten Tropfen, und schwenken dann ein in die Route 93 nach Norden. Nach knapp zwei Stunden (mit einem kleinen Zwischenhalt an einer Texaco-Tankstelle kurz vor der Abzweigung zum Skywalk) sind wir wieder in Las Vegas, dem Ausgangspunkt unserer Reise.

Es ist während der Fahrt von Kingman her immer wärmer geworden, und aus dem angenehmen Lüftlein beim Fahren ist wieder diese brütige Hitze von Las Vegas geworden. Wir fahren die Tropicana Ave hoch bis zum Strip, und dann noch rasch zum Las Vegas Ortsschild, wo wir unser Abschlussfoto machen. Wir stellen uns in die Schlange der Hochzeitspaare, die sich hier ablichten lassen, sodass wir völlig durchgeschwitzt sind, bis wir an die Reihe kommen (die meisten dieser Paare sind (zusammen) gut drei bis vier Mal jünger als wir einzeln!). Nach getaner Tat schwingen wir uns wieder auf unsere Bikes und ab, den Strip hinauf bis zum Cosmopolitan, wo wir Catherine und Jonas treffen, die uns die Betten schon angewärmt haben.

Wir erfrischen uns und gehen dann ins Harley-Davidson Cafe zum Znacht, wo wir im Lärm der Strasse und im dröhnenden Rauch der Burn-outs gleich nebenan unsere Köstlichkeiten der Küche und unsere teuren Biere geniessen. Sie haben hier unkonventionelle Ausschankmethoden (um sie nicht Nepper-Tricks zu nennen), denn sie verlangen für ein Glas 13 Bucks (ja holla!), dafür darf man das Glas behalten (ungefragt), und für den „Refill“ nochmals sieben Dollars. Jetzt könnt Ihr mal überschlagen, wieviel uns der Spass gekostet hat.

Wir schlafen im 37. Stock ein, zum dröhnenden Sound des Open-Air Konzert (Blink 182) auf der Strasse drunten. Aber wer geht schon um zu schlafen nach Las Vegas!

Seligamn, AZ (A) – Historic Route 66 (B) – Las Vegas, NV (C)
Trip: 194mi / 312km (Total: 7’609mi/12’243km)
Zeit: 3:30h

1 Kommentar zu „Route 66 und zurück nach Las Vegas“

  • Andreas:

    Danke für alle Tagesberichte und Fotos. Es hat sicher hie und da ein bisschen Überwindung gekostet, spätabends noch zu schreiben, Fotos auszuwählen und in den Cyberspace-Himmel zu stellen. Es war schön, ein wenig mit von der Partie zu sein. Nun kommt wieder gut heim!