Highway 1

Tag 21 (Sonntag 16. September) Ebenso neblig, wie der gestrige Tag zu Enge ging, fängt der heutige auch wieder an. Auf der ganzen Fahrt den Highway 1 nach Süden fahren wir durch Wolken und Nebelfetzen. Dann und wann drückt auch einmal die Sonne durch, das ganze ist eine ziemliche dramatische Stimmung, die jedem schottischen Gruselfilm zur Ehre gereichen würde.

Das einzige Mal, wo es wirklich sonnig wird, sind wir falsch abgebogen. Wir merken das nach einer Weile am falschen Wetter und kehren um, um die richtige Abzweigung (wieder in den Nebel) zu nehmen.

In Point Arena tanken wir bei Scaramella, und Urban telefoniert heim. Gleich nebenan ist (obwohl es Sonntag ist) ein esoterischer Töffmechaniker am Werk, der seine Werkstatt nach dem Buch von Robert M. Pirsig Zen – The Art of Motorcycle Maintenence nennt. Er hat eine erlesene Sammlung alter Ducatis, BMWs und Motoguzzis in seiner Werkstatt. Wir kaufen ein T-Shirt als Andenken.

In teils unglaublich engen Kurven schlängelt sich die Route 1 der Küste entlang. Die Strasse ist auch oft helperig, mit Schlaglöchern und Schwellen, ein regelrechter Slalom. Die Trittbrettli der Töffs mussten wieder enorm an Substanz lassen. Wenn wir auf eine Autokolonne auflaufen, ist an überholen meist nicht zu denken: Entweder hat es eine Kurve nach der anderen, und wenn die Strasse gerade ist, geht es in Wellen auf und ab, sodass man auch nicht sieht, ob etwas entgegenkommt. Zum Glück sind die amerikanischen Autofahrer (meistens) so zuvorkommend, dass sie auf einen Ausstellplatz ausweichen und die Motorradfahrer überholen lassen!

An dieser Stelle muss auch einmal das Thema der überfahrenen Wildtiere, den sogenannten Roadkills, erwähnt werden. Während man Bähren und Luchse überhaupt nie zu Gesicht bekommt (also bei uns war das bis jetzt jedenfalls so), sieht man auf der Strasse unvermeidlicherweise gelegentlich ein geplättetes Exemplar eines Waschbären oder Hörnchens, einmal war es auch ein Dachs oder ein Luchs. Speziell erwähnenswert sind die Skunks, so richtig putzige Tierchen, die ihrem deutschen Namen in diesem Zustand alle Ehre machen, weil man den Gestank sehr viel früher riecht, als man den Kadaver auf der Strasse sieht. Selbst wenn man (im geschlossenen Helm) den Atem anhält und erst wieder einschnauft, kurz bevor man ohnmächtig wird, mieft es immer noch dermassen, dass man davon ebenfalls fast ohnmächtig wird: Also echt gefährlich! Das Thema ist jedenfalls so aktuell, dass es im Internet diverse Erfahrungsberichte dazu gibt (suche unter „Warum stinkt ein überfahrener Skunk“ und dergl.), die bei uns grosse Heiterkeit auslösen (man stelle sich nur vor, sein Auto innen und aussen mit Tomatensaft zu waschen…).

Den Mittagshalt machen wir in Jenner, wo wir uns ein super-biologisches Sandwich einverleiben in einem Strassencafé am Meeresgestade, wo zwei junge Frauen am Ölmalen sind, und ein Pärchen Blues singt (echt gut!). In Tomales weiter südlich auf der Route 1 gibt es das William Tell House.

Und dann, worauf wir den ganzen Tag gewartet haben: Die Route 1 vereinigt sich wieder mit dem Highway 101, geht durch ein Tunnel, und dann, dann … : Die Golden Gate Bridge im Abendlicht, die Türme von Wolken umnebelt, einfach ein Wahnsinnsanblick! (Ebenso wahnsinnig, aber grusig, ist das öffentliche Klo dort bei der Ausblicksstelle; Originalton der Frau, die das stille Ort vor uns gerade verlässt:“Pretty nasty!“).

Wir fahren dann mit geschwellter Brust und einem irrsinnig tollen Feeling (das uns 3x 6 Dollar Strassengebühr kostet), über die Brücke, und auf dem sechsspuringen Highway in die Stadt hinein, und finden unser Hotel mitten in der Innenstadt senza problemi, wie wenn wir hier zuhause wären. Ein leckeres indisches Nachtessen finden wir an der Market Street, zwischen der Endstation des Cable Car an der Ecke Powell Street und der Waterfront.

Fort Bragg, CA (A) – Point Arena, CA (B) – Bodega Bay, CA (C) – Stinson Beach, CA (D) – San Francoisco, CA (E)
Trip: 192mi / 309km (Total: 5’070mi/8’158km)
Zeit: 5:00h

2 Kommentare zu „Highway 1“

  • Christian:

    Typisches San Francisco Wetter: Nebel und kalt – und 10 Meilen landeinwärts hat es 30 Grad. Falls ihr es zeitlich schafft: besucht unbedingt Alcatraz und schaut euch nachher zu Hause „The Rock“ an. Das lohnt sich unbedingt.
    Viel Vernügen in der Stadt der Städte!
    Christian

  • Andreas:

    Im William Tell House in Tomales bin ich 1993 im Mietwagen abends nach neun angekommen, auf ungeplanter Fahrt nach Norden habe ich gleich nebenan noch ein Zimmer gefunden. Im William Tell House gab’s nichts mehr zu essen als ein paar Erdnüsse und ein Bier… Aber schön war’s da…