Arizona

Heute beginnen wir den Tag mit philosophischen Betrachtungen, es ist ja auch Sonntag. Es geht um die Zeit und um die geographische Lage. Wir haben Zeit dazu, weil wir zu früh aufgestanden sind…

Schon vorgestern hat Urban verkündet, dass in Eagar die Sonne eine Stunde früher aufgeht als in Silver City. Wir haben die Bedeutung dieser Aussage ignoriert und werden jetzt bestraft dafür. Heute Morgen ist Urbans Wecksong seit dreiviertel Stunden überfällig, obwohl die Armbanduhr viertel vor acht zeigt. Was ist da los? Wir machen eine Notrecherche auf Wikipedia, und siehe da: Arizona kennt keine Sommerzeit, und damit stimmt das Weltbild wieder. Auf dem stillen Örtchen am Morgen erreicht uns in der Erinnerung daran, dass wir gestern zweimal die Kontinentale Wasserscheide überfahren haben (die hier beide Male nur ein grössere Bodenwelle war, kein Pass in den Bergen), zudem die Erkenntnis, dass der Name des stillen (=pazifischen) Örtchens wohl von daher kommen kann, dass auf dieser Seite der Wasserscheide nicht nur das Wasser, sondern auch das Abwasser in den Stillen Ozean fliesst. Das ist zwar, um es mit Urban zu sagen, Fünfrappenphilosophie (weil die atlantische Seite unerklärt bleibt), aber dennoch.

Wir joggen zur Round Valley Ensphere (Dome), der ersten gedeckten Highschool American Football Halle der USA, wo die Round Valley Elks zuhause sind. Der Ort liegt im schönsten Morgensonnenlicht da, ganz ruhig, es ist Sonntag, niemand ist unterwegs.

Unser heutiger Weg führt uns auf der Strasse 160 und 73 durch das Fort Apache Indianerreservat, eine schöne und abwechslungsreiche Strecke. Zwischen Fort Apache und Cedar Creek geht’s zum Geronimo Pass hinauf, der einen schönen Ausblick ins Land und auf den Sugerloaf Butte erlaubt. In Carrizo zweigen wir in den Hwy 60 ein, der uns durch die abenteuerlich anzusehende Schlucht des Salt River Canyon führt.

Die Strasse führt bis nach Globe, wo wir Mittagsrast machen. Es ist mittlerweile brütend heiss, 40 Grad. Ein Stück nach Globe verlassen wir die Strasse, die direkt nach Phoenix führt und fahren auf der 188 zum Roosevelt-Damm und -See, der sehr hübsch in der Landschaft liegt. Hier ändert sich auch schlagartig die Vegetation und plötzlich tauchen überall diese riesengrossen Kakteen auf, die man regelmässig in Westernfilmen sieht. Wir machen einige Fotostopps, und beim Damm treffen wir einen älteren Biker mit seiner Begleiterin, die gerade die Strasse 88 gemacht haben, die wir nun nehmen wollen. Sie raten uns dringend ab, weil zwanzig Meilen nicht asphaltiert, schotterig  und ripplig sind. Wir muten uns das nicht zu und befürchten auch, dass wir es so nicht vor Einbruch der Nacht nach Phoenix schaffen werden (wir erinnern uns: hier wird es bereits um 18:30 dunkel!).

Wir nehmen anstatt dessen den Weg über Jakes Corner, der zwar einen grossen Umweg von ca. 60 Meilen bedeutet, auf dem wir aber schnell vorwärts kommen (trotz heavy Verkehr), und der uns mit einer atemberaubenden Fahrt durch eine Wüstenlandschaft mit einzigartiger Flora belohnt. Auf dem (namenlosen) Pass machen wir Halt, um unseren 10’000sten Kilometer zu feiern. Auch stellen wir fest, dass nun die ersten Trittbretter komplett den Rand abgeraspelt haben. In der ersten Dämmerung erreichen wir bei einem atemberaubenden Sonnenuntergang Tempe bei Phoenix und unser Hotel. Wir haben dank sternenklarem Himmel einen ausgezeichneten Blick auf die heutige totale Mondfinsternis.

Eagar, AZ (A) – McNary, AZ (B) – Fort Apache, AZ (C) – Globe, AZ (D) – Roosevelt, AZ (E) – Tempe, AZ (F)
Trip: 284mi / 459km (Total: 6’267mi/10’085km)
Zeit: 6:00h

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