Geradeaus und durch die Wüste

Tag 31 (Mittwoch, 26. September) Nach dem Morgenjogging und dem Frühstück machen wir uns auf den Weg und fahren in der gleissenden Sonne die I-10 zurück nach Osten, bis wir nach 40 Meilen bei Desert Center den Highway verlassen und auf die Route 177 einschwenken. Der Ort verdient seinen Namen mehr als, denn da ist nichts mehr ausser einem Postamt. Die Tankstellen, die wir so dringend gebraucht hätten, sind allesamt verlassen und zerfallen. Die Stelle strahlt eine gesunde Morbidität aus! Das löst unser Problem aber nicht; wir haben beim Überqueren des Chiriaco-Summit 20 Meilen vorher in der irrigen Überzeugung, es müsse hier eine Tankstelle geben, leider versäumt, den Tank zu füllen.

Wir fragen die Angestellte der Post, wo es eine Zapfsäule gebe, und die weiss, dass es entweder 20 Meilen zurück, oder dann 40 Meilen vorwärts die nächste gebe. Das reicht uns aber niemals! Sie empfiehlt uns, im General Store McGoo 2 Meilen auf der 177er zu fragen. Dort kaufen wir Wasser, und die gute Frau an der Kasse sagt genau dasselbe wie die Postangestellte. Plötzlich durchzuckt sie ein Gedankenblitz: Sie greift das Telefon, telefoniert ein wenig herum, und teilt uns dann mit, dass die Chuckwalla Valley Rennstrecke (nach dem Chuckwalla Leguan benamst) gelegentlich auch Benzin ausschenke, und heute sei so ein Tag. Man erwarte uns dort, wir sollen uns beim Front Office melden. Wir fahrten also die vier Meilen weiter, bis zum grossen Tank rechterhand, der als Hinweistafel dient, und fahren auf das Gelände. Wir schreiben uns ein und fahren dann – nein, nicht auf die Rennstrecke (obwohl dies einige von uns teuflisch gelockt hätte) – zur Zapfsäule, wo für einen erhabenen Preis ein edler Tropfen kredenzt wird (wir nehmen den billigsten, den 91er; es gibt hier aber auch 100 Oktan, was uns bislang nirgends begegnet ist). Wir füllen unsere Tanks also mit dem kostbaren Saft und fahren zurück auf die Route 177, wo wir mit Andacht den Gashahn aufdrehen und nach Norden brausen.

Die Strasse geht mit einem Minimum an Kurven (so circa eine pro 20 Meilen im Durchschnitt) vorwärts. Gerade hier sieht man plastisch, wie die Strassen angelegt werden: Mit einem Minimum an Planierarbeiten wird der Asphalt wie ein Band in die Landschaft hineingelegt. Wenn es immer geradeaus geht, muss man sich richtiggehend konzentrieren, um dann die nächste Kurve zu kriegen, auch wenn sie bubileicht ist. Die Abwechslung liegt aber dafür in den Bodenwellen: Es ist eine richtige Achterbahn, rauf und runter. Die Hintermänner verschwinden im Rückspiegel und tauchen sogleich wieder auf, um erneut in die nächste Welle abzutauchen. Einfach Klasse! Super!

An einer namenlosen Stelle mündet die 177er in die Route 62, die nach Osten führt. Nach weiteren 20 Meilen ohne Kurven durchqueren wir den Ort Rice, der nun zwar einen Namen hat, dafür gibts sonst nichts dort. Alles ist verlassen und aufgegeben oder niedergebrannt. Es treffen lediglich zwei Eisenbahnlinien aufeinander. Wir setzen daher unsere Fahrt (nunmehr schon leicht ausgetrocknet, Hugo bezeichnet das als exsikkiert, was wir im baldigen Delirium sowieso nicht verstehen…) ohne Stopp weiter und kommen schliesslich nach weiteren 15 Meilen an die Vidal Junction. Dort gibt es Tankstellen und einen Shop, wo wir uns einen Kaffee und ein kühles Wässerchen genehmigen.

Nach wiederum weiteren 20 Meilen treffen wir bei Earp auf den Lauf des Colorado River. Wir überqueren diesen auf der einzigen Brücke dort und folgen ihm flussaufwärts. Da das Wasser oberhalb gestaut wird, hat sich am Gestade des gezähmten Flusses eine Wochenend-Kultur mit vielen Ferienhäuschen und Campingplätzen breitgemacht, es ist alles grün (mitten in der Wüste) und sieht wünderschön und einladend aus. Wir besichtigen der Parker Dam, der den Lake Havasu aufstaut, etwas Strom produziert, den Flusslauf reguliert, und die Städte Phoenix und Tucson mit Wasser versorgt. Ein eindrückliches Bauwerk!

Nach einer weiteren halben Stunde in brütender Hitze erreichen wir sodann völlig verschwitzt um halb vier Lake Havasu City, wo wir in den Island Suites ein Zimmer reserviert haben. Die Stadt ist erst 1964 gegründet worden, wohl im Zusammenhang mit dem aufgestauten Wasser. Die Stadt wurde ohne Kern auf eine riesige Fläche ausgebreitet. Jeder Gedanke, man könnte zu Fuss irgendwo hingehen, muss sofort als undurchführbar verworfen werden. Vor dem Znacht in den Pool, und zum Znacht in die Mudshark Brewery, praktischerweise gleich gegenüber dem Hotel.

Indio, CA (A) – Chuckwalla Valley Raceway, CA (B) – Vidal Junction, Ca (C) – Lake Havasu City, CA (D)
Trip: 183mi / 294km (Total: 7’025mi/11’303km)
Zeit: 3:30h

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