Yosemite

Tag 25 (Donnerstag 20. September) Wir wachen in unserem bärig-zimtigen Bed & Breakfast auf und sehen Mammoth Lakes nun bei Tageslicht. Nun sind auch die Berge der Sierra Nevada sichtbar, die den Ort zum Skiparadies machen. Wir fahren die drei Meilen wieder zur Route 395 hinunter und zurück nach Lee Vining. Kurz vorher zweigen wir nach Osten ab auf die Route 120 zum Gestade des Mono Lake, wo wir die Tuffsteinhäufen, die hier Tufa genannt werden, und die anderen Schönheiten dieses Ortes bestaunen.

Die Steintürme stehen im seichten Wasser, viele aber auch im trockenen, weil der See bis 1994 durch die Übernutzung der zuführenden Flüsse durch die Wasserversorgung Los Angeles‘ massiv an Wasser verloren hatte. Seither wurde die Wasserentnahme reguliert, und der See hat bereits wieder drei Meter an Pegel gewonnen. Da der See wegen des fehlenden Abflusses (durch die Verdunstung steigt die Salzkonzentration stetig) natronhaltig und stark hyperton ist, entwickelte sich eine ganz spezielle Fauna und Flora. Besonders eindrücklich sind die Fliegen (sog. Alkali-Flies, Ephydridae), die in einer rund 1 Meter breiten, dicken schwarzen Schicht das Ufer bedecken und eine wichtige Nahrung für die Wasservögel darstellen (man klärt die Touristen auf, dass die KutzaDika’a-Indianer die Fliegenlarven schälen und als nahrhafte Delikatesse verzehren).

Danach tanken wir nochmals auf und fahren den Tioga-Pass hoch, mit seinen 9945 Fuss (das sind 3031 m) den höchsten der Sierra Nevada (vor dem Sonora). Da die Talsohle bereits über 7000 Fuss hoch liegt, geht es gar nicht so weit hinauf; zudem gibt es keine extremen Steigungen und keine engen Kurven und Spitzkehren. Die Strasse geht einfach stetig dem Berhang entlang nach oben, und genau auf der Passhöhe ist dann auch der Nord-Eingang zum Yosemite National Park.

Auf der Westseite geht es dann unendlich lange durch endlose Nadelwälder wieder hinunter bis zum Südeingang des Parks, wo es auch in das Tal, wo alle hinwollen, hinein geht. Auf dem Pass gibt es einige spektakuläre Aussichten auf Bergseen, aber auch auf die berühmten Berggipfel (den Half Dome, den El Capitan, den Mt. Hoffman, und andere mehr). Unten im Tal (ja, dort wo jetzt gerade das Hanta-Virus wütet und schon Todesfälle verursacht hat) sind dann total viele Touristen. Die Landschaft ist auch einfach total Klasse, und die Felsformationen haben dies glatt-rundliche Form, die dieser Landschaft ihr besonderes Gepräge gibt. Hier machen wir unseren Mittagshalt (wieder um ca. drei Uhr Nachmittags).

Zum Abschluss fahren wir zum bekannten Glacier Point hinauf. Bereits nach wenigen Meilen hat man beim South Tunnel View einen ersten Aussichtspunkt in das Tal hinein. Noch spektakulärer ist dann die Aussicht beim Glacier Point oben, wo man nach rund dreiviertel Stunden Fahrzeit ankommt: Man ist praktisch senkrecht über dem Yosemite Village. Man sieht unter seinen Zehenspitzen den Parkplatz und die Häuslein tief unten.

Da fast auf der ganzen Strecke wegen der Kurven Überholverbot herrscht, schliesst man als Töfffahrer unweigerlich auf eine Autokolonne auf, die zuvorderst geduldig einem Schleicher folgt, für den Kurven an und für sich eine Gefahr darstellen. Aber auch für die zweirädrig unterwegs Seienden können die Ränke tückisch sein: einige Meilen vor dem Glacier Point fahren wir an einen Unfall heran, wo einer mit einer Harley über die Kurve hinaus geraten und das Bord hinunter gefahren ist (er wurde gerade mit der Ambulanz, mit Lichterkranz, abtransportiert). Daraus kann man erlernen, dass es wichtig ist, als Töfffahrer auf dem rechten Weg zu bleiben.

Schon in der Abenddämmerung verlassen wir den erhabenen Punkt und den Nationalpark und fahren die 25 Meilen nach Mariposa hinunter. Die fehlenden Kurven am Tiogapass werden nun mehr als wett gemacht. In endlos langgezogenen, aneinandergereihten Kurven, immer die Abendsonne am Talausgang im  Visier, kommt einem unweigerlich der lonely Cowboy in den Sinn, der in den Sonnenuntergang reitet. In Mariposa beziehen wir unser Zimmer und genehmigen uns ein feines Znacht im Charles Street Dinner House.

Mammoth Lakes, CA (A) – Yosemite Village, CA (B) – Glacier Point, CA (C) – Mariposa, CA (D)
Trip: 220mi /  354km (Total: 5’866mi/9’438km)
Zeit: 5:30h

2 Kommentare zu „Yosemite“

  • Beatrice Nagel:

    Hallo Ihr drei very busy easyriders, es ist beruhigend zu wissen, dass Ihr alle so cool and schwindelfrei seid. Vielen Dank für alle wiederum so wunderschönen Bilder der letzten Tage. Lieber Markus, bist Du sicher, dass Du nach diesen Ferien wieder im KASPI St.Gallen hinter dem PC hocken willst? Vielleicht hast Du ja doch Deine Berufung verpasst::) ? Immer Gute Fahrt und hebet Sorg!
    Herzliche Grüsse, Beatrice

  • Beatrice Nagel:

    ……. und dann ein Halleluja an die Verfasser der tollen Berichte mit allen links! Many thanks to all of you! Good night, Beatrice