Achterbahn, Sanddünen und ein grosser, sterbender See

Unsere Tour ist eine Tour der Extreme: Wir  erreichten im Norden die kanadische Grenze, und werden im Süden praktisch an die mexikanische Grenze gelangen, im Westen waren wir am Pazifik, im Osten in Süddakota. Wir bereisten Kalifornien, Oregon, Idaho, Montana, Washington, Süddakota, Wyoming, Colorado, New Mexico, Arizona, und wieder Kalifornien. Wir stiegen auf fast 4000 Meter hoch und sind zurzeit auf -34 Meter, unter dem Meeresniveau (was für die Flaschen unserer Kontaktlinsenmittel eine grosse Herausforderung war). Wir brauchten lange Unterhosen bei Temperaturen unter Null Grad, und nun ist es über 40 Grad heiss, und wir verschwimmen in unseren Ledergewändern und Helmen…

In Blythe gibt es auf dem Morgenlauf nichts aufregendes zu sehen. Es ist bereits fast 30 Grad heiss, und die Sonne sticht schon um sieben erbarmungslos hernieder. Wir fahren nach dem Hotelfrühstück auf der Strasse 78 nach Südwesten, über Ripley und Palo Verde durch grosse Plantagen, die durch die Nähe des Colorado River bewässerungsmässig überhaupt erst möglich sind. Danach geht es vom Fluss weg in die Berge, wo es wüstenmässig wird. Die Strasse geht in wilden Wellen auf und ab, wie auf einer Achterbahn. Die beiden Nachfahrer bei mir im Rückspiegel verschwinden in den Wellentälern und tauchen an den Kuppen immer wieder auf, sind mal über mir, mal unter mir. Erstaunlich, dass uns bei diesem Auf und Ab noch ein riesen Lastwagen bei 70 mph von hinten aufholt. Vor Glamis ist rechterhand die Mesquite Mine zu sehen (da wird Gold abgebaut), nicht so gross wie die Morenzi Mine, aber dennoch eindrücklich, und nach Glamis kommen die riesigen (85km langen und 10 km breiten) Imperial Sand Dunes wie aus dem Nichts, wo es schliesslich saharamässig wird. Das gibt eindrückliche Fotos.

Vor Brawley, wo es wieder Farmland gibt, zweigen wir in die Strasse 115 nach Norden ab, und obwohl wir schon mehrere Trinkhalts eingeschaltet haben, müssen wir in Calipatria einen Boxenstopp machen, um in einem kühlen Restaurant eine Rast einzulegen, um abzukühlen. Kaum ist man vom Motorrad abgestiegen, sind die Sättel und Griffe glühend heiss, so dass sich das anfühlt, wie wenn man auf eine heisse Herdplatte sitzen würde.

Weiter nach Norden kommt die Salton Sea in Sicht, ein delikates Gewässer mit einer bewegten Geschichte, das blau in der Wüste schimmert. Auf dem See ist nichts zu sehen, keine Schiffe oder Boote, wenig Vögel. Am Ufer gibt es keine Strandsiedlungen, und die Uferregion gleicht einer Mondlandschaft. Irgendwie ist es unheimlich. Bei Bombay Beach fahren wir ans Ufer: Das sieht deprimierend aus, überall liegen tote Fische, und sogar ein Hundekadaver liegt am Strand. Es riecht grauenhaft, stinkt richtiggehend. Von Badelust keine Spur! Der See sieht tödlich aus, und es sieht nicht so aus, dass die Bewässerungssysteme der umliegenden Plantagen (Luzernen, Dattelpalmen, Baumwolle), die ein ausgeklügeltes System von Bewässerungskanälen haben, Wasser aus dem See verwenden.

Bei North Beach und Mecca wechseln wir auf die Westseite des Sees. Hier hat es in der Strasse sehr kleine Dellen, so, dass wir zeitweise bei 70 mph mehr hüpfen als fahren. Nur von einem Trinkstopp unterbrochen, fahren wir in einem Schnurz wieder zurück nach Brawley, wo wir um ca. fünf Uhr ankommen und in den erfrischenden Pool steigen können. Nicht nur, dass die Shirts, Unterwäsche und Socken wegen dem enormen Schwitzen gewaschen werden müssen, nein auch die Lederkleider müssen zum Teil mit dem Föhn getrocknet werden, weil diese über Nacht nicht von selbst trocknen.

Zum Dinner fahren wir ins Inferno.

Blythe, CA (A) – Calipatria, CA (B) – Mecca, CA (C) – Brawley, CA (D)
Trip: 223mi / 359km (Total: 6’672mi/10’737km)
Zeit: 5:00h

2 Kommentare zu „Achterbahn, Sanddünen und ein grosser, sterbender See“

  • Andreas:

    Hoi mitenand, eure Reise führt euch ja wirklich durch alle Schattierungen, Höhen und Tiefen des Westens. Grossartig! Und toll, euch beim Reisen buchstabenweise zu verfolgen. Die Schreib- und Bilderarbeit lohnt sich!
    Danke, und fahrt gut weiter,
    Andreas

  • Béatrice:

    ……ich liebe keine Sonnenauf- und -niedergänge, ich fühle mich bedroht…..

Kommentar zu Andreas abgeben