Im Land der Riesenkäfer

Wir fahren den ganzen Tag durch Gegenden und sehen tausend Dinge, die wir aufschreiben oder fotografieren möchten, aber nicht können, weil wir nicht alle paar Meilen anhalten können, weil wir sonst gar nicht vorwärts kommen. Die Fotos helfen beim Erinnern, aber vieles bleibt flüchtig, und es kommt uns am Abend beim Blog-Schreiben nicht mehr in den Sinn. Etwas, das uns heute in Erinnerung blieb, sind die ersten Kakteen hier im Süden, und die Wiesen, die mit Yucca-Palmen übersät sind, die hier wie Unkraut wachsen. Diese Palmen treiben merkwürdige Blüten, die oben aus dem Blätterbüschel wie ein Stirzel, andere sagen auch Störgel, emporragen, und man merkt, dass sie zu den Spargelgewächsen gehören.

Schon gestern nach, bei der Ankunft in Hidden Springs, hat es so komisch unter Markus‘ Füssen geknackt. Aber es war dunkel, und so konnten wir die Ursache nicht sehen…

Am Morgen sehen wir es dann: Auf dem ganzen Vorplatz hunderte riesiger Käfer, die wir im Internet als Herkuleskäfer (Dynastes hercules) identifizieren, viele tot (unversehrt oder plattgetreten, siehe Markus Stiefelsohle von gestern), die meisten aber lebendig, die mit bedächtigen Bewegungen vorwärts krabbeln. Einzelne haben gigantische Hörner. Wir haben etwas Respekt vor den Untieren, nur Urban packt sie mit blossen Händen (die Finger riechen nachher wirklich nach Rosenduft!). Die Angestellte im Café erzählt uns dann, dass diese Käfer nur hier auftreten, dass sie jedes Jahr hierher zum Sterben kämen.

Wir kriegen ein ausgezeichnetes Frühstück (es gibt hier eine Espressomaschine!), dann verlassen wir das Adobe Café & Bakery und die Käfer und fahren nach Süden, über den Saliz Pass (6436 ft) bis kurz nach Alma, wo wir an einer Abzweigung den Hinweis auf die Mogollon Ghost Town sehen. Wir nehmen dies als Zeichen, nachdem sich uns gestern die Kelly Ghost Town entzogen hat, und nehmen die Strasse 159 nach Osten. Aber es geht trotzdem etwas unheimlich weiter, denn Strasse ist zuerst breit, asphaltiert und mit Markierungsstreifen versehen. Dann wird die Strasse immer schmaler, danach verschwinden die Markierungen, dann der Asphalt, und am Schluss die Strasse selbst. An dieser Stelle ist aber die alten Minenstadt Mogollon, wo einige Einwohner (n=14) bis heute ausharren. Wir kommen mit einem älteren Mann ins Gespräch, der als General Contractor hier Wege und Häuser instandstellt, die vor zwei Jahren bei einem Murgang weggespült wurden. Er ist ein J.J.Cale-Typ, vom Aussehen und von der Art her, der die Arbeit hier in der Abgeschiedenheit schätzt.

Wir befürcheten schon, dass wir den Rückweg, der halb Schotterstrasse, halb Bachbett ist, nicht mehr schaffen, da es steil ist. Unsere tapferen Höbel kämpfen sich aber schnaubend durch das grobe Kies und wir sind gerettet. Zurück auf der Hauptstrasse 180, kurz später tanken wir in Glenwood. Den Catwalk sehen wir uns nicht an, weil er seit dem Unwetter vor zwei Jahren beschädigt und nicht zugänglich ist.

Wir kommen in die Nähe von Silver City, wo wir noch beim Aussichtspunkt, der nach Aldo Leopold benannt ist, die Landschaft geniessen bevor wir die Stadt erreichen. Wir machen hier Mittagsrast, was wir nicht hätten tun sollen, weil das Gila Cliff Dwellings National Monument um vier schliesst, wie wir später erfahren, und so stehen wir um 17 Uhr nach 42 Meilen Fahrt vor verschlossenen Türen. Die Ranger lassen gerade die letzten Besucher heraus und sagen uns, dass sie bedauern; aber wir hätten doch wenigstens eine schöne Herfahrt gehabt. Was wirklich und wahrhaftig stimmt! Der Weg hierher ist atemberaubend schön, und wir geniessen auch die Rückfahrt im Abendlicht total! Für Biker ist diese Strecke schon fast ein Muss. Unendlich viele Kurven und die Trittbretter leiden erheblich. Nur dort, wo die Strasse über einen Grat führt und es links und rechts direkt steil in den Abgrund geht, wird es uns gschmuch und wir fahren die Kurven dann doch erheblich sittsamer…

Auch haben wir mit unseren Höbeln wieder Lämpe: Markus Hinterradbremse hatte auf dem Hinweg nach Gila einen Aussetzer; die müssen wir morgen überprüfen lassen.

Einen mexikanischen Znacht gibt’s im Wranglers. Zur Vorspeise gibt’s einen Tumbleweed. Das ist eine gigantische Zwiebel, so zugeschnitten, dass sie wie eine geöffnete Rose aussieht und dann geröstet. Äusserst lecker, wir sind gespannt auf die Nachwirkungen, die während der Nacht eintreten könnten.

Reserve, NM (A) – Gila Cliff Dwellings National Monument, NM (B) – Silver City, NM (C)
Trip: 203mi / 518km (Total: 5’738mi/9’233km)
Zeit: 5:00h

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